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Caroline Bardua (1781 – 1864) – Malerin und Salonnière der Biedermeierzeit

Caroline Bardua: Selbstporträt, 1822
Caroline Bardua: Selbstporträt, 1822

Jugend
Caroline Bardua hatte Glück: Ihr Vater war Kammerdiener beim Erbprinzen Alexius Friedrich von Anhalt-Bernburg in Ballenstedt bei Quedlinburg. So wurde sie zeitweise mit den Kindern des Erbprinzen unterrichtet, u.a. in Klavierspiel, Gesang und Malerei. Ihre musikalischen und zeichnerischen Fähigkeiten dienten der geselligen Unterhaltung der Familie, bis der Literaturhistoriker Wilhelm Körte ihr Talent erkannte und eine Ausbildung in Weimar anregte.

Studienjahre
Mit seinem Empfehlungsschreiben wurde sie an der Herzoglichen freien Zeichenschule in Weimar aufgenommen und in den Kreis der Hausfreunde Goethes eingeführt. „Ich habe Demoiselle Bardua bey mir zu Tische gesehen und eine recht angenehme Bekanntschaft gemacht. Es fehlt ihr nicht an mannigfaltigem Talent, …“ (Goethe 1805). Heinrich Meyer unterrichtete sie in Zeichnen und Malen. Bald erhielt sie erste Porträtaufträge von Goethe und der Familie Schopenhauer.
Mit einem Empfehlungsschreiben Goethes verließ sie Weimar 1807 um ihre Studien in Dresden bei Gerhard v. Kügelgen fortzusetzen. Kügelgen war ein Freund von Caspar David Friedrich. Dieser war so von Barduas Fähigkeiten überzeugt, dass er sich 1810 von ihr porträtieren ließ. Es war das erste Bild, das Caroline 1810 auf der Akademieausstellung in Dresden zeigte.

Caroline Bardua: Porträt Caspar David Friedrichs (1810)
Caroline Bardua: Porträt Caspar David Friedrichs (1810)

Wilhelm, der Sohn von Gerhard v. Kügelgen schreibt in seinen Jugenderinnerungen über die Künstlerin: “ …Gutmütig, lebhaft, keck, ideenreich und hoch begeistert für Menschen und Dinge….Für die Kunst hatte Caroline Bardua entschieden Beruf. An Ausdauer, Fleiß und Konzeptionsfähigkeit übertraf sie ihr Geschlecht und zeichnete sich aufs vorteilhafteste von allen übrigen Schülerinnen meines Vaters aus…“

Angekommen
Einen Studienaufenthalt in Italien oder Paris, wie er bei vielen ihrer männlichen Kollegen üblich war, konnte sich Bardua erst Jahrzehnte später leisten, aber als Porträtistin und Kopistin bekannter Werke war sie bald sehr gefragt. Darüber hinaus verkaufte sie eigene Gemälde, meist mit religiöser Thematik. Als eine der wenigen Malerinnen konnte sie ganz von ihrer Berufstätigkeit leben und sogar ihre Mutter und einen jüngeren Bruder mitversorgen. Um neue Aufträge zu bekommen, musste sie viel reisen und lebte deshalb von 1813 bis 1819 in Ballenstedt, ihrem Geburtsort im Harz, in Coswig, Halberstadt, Halle, Leipzig und Magdeburg. Seit 1815 begleitete sie ihre 17 Jahre jüngere Schwester Wilhelmine, mit der sie bis zu ihrem Lebensende zusammenlebte. Es war ein unstetes Leben.

Caroline Bardua: Johanna und Adele Schopenhauer, 1806
Caroline Bardua: Johanna und Adele Schopenhauer, 1806

Erst 1819 übersiedelten die Schwestern dauerhaft nach Berlin (bis 1852). Ihr Naturell half ihnen überall schnell Fuß zu fassen und Kontakte zu einflussreichen Familien zu knüpfen, nicht zuletzt wegen der damals üblichen Antrittsbesuche. Caroline und Wilhelmine waren überall gern gesehene Gäste. „Den eigentlichen Magnet aber bildete Caroline mit ihrer genialen Heiterkeit und ihrer Gabe, die Dinge rasch in ihrer Wurzel zu erkennen und ihr ungeschminktes Urteil ohne Umschweif auszusprechen.“ Auch in ihrer eigenen Wohnung etablierten die Barduas ein Art Salon. Caroline errang schnell künstlerischen Respekt und gesellschaftliches Ansehen. Zu ihren vielen Freunden und Auftraggebern gehörten u.a. Hufeland, Mendelsohn, Friedrich de la Motte-Fouqué, Adalbert von Chamisso, Rahel Varnhagen, Bettina von Arnim, Carl Maria von Weber, Hans Christian Andersen und die Familie von Savigny.

Caroline Bardua: Bildnis des Komponisten Carl Maria von Weber, 1821
Caroline Bardua: Bildnis des Komponisten Carl Maria von Weber, 1821

Für ihre künstlerischen Leistungen erhielt sie ab 1839 ein Jahresgehalt von 100 Talern von der Akademie der Künste zu Berlin und 1857 eine Medaille für Kunst und Wissenschaft von der Herzogin Friederike von Anhalt-Bernburg. 1843 gründeten Caroline und Wilhelmine einen literarisch-künstlerischen Club für unverheiratete Damen, den „Kaffeter“. Hier kamen die künstlerischen Werke der jungen Frauen zur Aufführung. Durften sie doch sonst nicht berufstätig sein oder öffentlich auftreten. Infolge der politischen Unruhen von 1848 mussten die Kaffetertreffen eingestellt werden.


Von Berlin aus unternahmen die Schwestern Arbeitsreisen nach Frankfurt, Heidelberg und Krefeld und lebten dann ab 1852 wieder in Ballenstedt. Hier waren sie mit Inszenierungen und Aufführungen in das kulturelle Hofleben der herzoglichen Familie von Anhalt-Bernburg eingebunden. Umsorgt von ihrer Schwester konnte Caroline ihr Alter genießen. Sie starb am 2. Juni 1864.


Autorin: Erla Spatz-Zöllner, 20.2.2024

Alle Zitate aus : www.diegeschichteberlins.de/geschichteberlins/persoenlichkeiten/persoenlichkeiteag/784-bardua-caroline.html

Quellen:

https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?apm=0&aid=wrz&datum=18741202&seite=16

https://de.wikipedia.org/wiki/Caroline_Bardua

https://www.deutsche-biographie.de/gnd116056363.html#ndbcontent

https://saebi.isgv.de/biografie/Caroline_Bardua_(1781-1864)

Bücher
Kovalevski, Bärbel: Caroline Bardua. – Berlin : Kovalevski, 2008

Eschmann, Christa: Die Schwestern Bardua. – Halle/Saale : mdv, Mitteldt. Verl., 2001, 1. Aufl.

Bilder (alle gemeinfrei):

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caroline_Bardua_-_Johanna_%26_Adele_Schopenhauer_(1806).jpg

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caroline_Bardua_-_Portr%C3%A4t_Caspar_David_Friedrichs_(1810).jpg

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caroline_Bardua_-_Bildnis_des_Komponisten_Carl_Maria_von_Weber.jpg

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caroline_Bardua.jpg