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Neugierig bleiben – KI im AK Media

Der Arbeitskreis Media beschäftigt sich aktuell mit dem Thema Künstliche Intelligenz und ihrem Einsatz im Alltag. Neben der Diskussion um sinnvolle Anwendungsbereiche, Vorteile und kritische Aspekte von KI beschäftigen wir uns auch mit generativer KI und der Erstellung von beispielsweise Reiserouten, Lernaufgaben – oder Kurzgeschichten. Dabei entstand im Arbeitskreis folgende Kurzgeschichte, anknüpfend an die Lebensrealität der AK Mitglieder, die vielleicht auch außerhalb des AKs Freude beim Lesen macht.

Neugierig bleiben. Eine Kurzgeschichte aus Ulm.

Im Café am Münsterplatz saßen jeden Dienstagmorgen zwei Menschen, die man dort inzwischen kannte: Hilde Brenner und Ernst Kessler. Beide waren über siebzig, beide lebten seit Jahrzehnten in Ulm, und beide hatten vor Kurzem beschlossen, dass sie mit „diesem Internet“ nun endlich ernst machen wollten.

„Man wird sonst abgehängt“, sagte Hilde oft und rückte ihre rote Brille zurecht. Früher hatte sie als Bibliothekarin gearbeitet, Ernst war pensionierter Elektrotechniker. Eigentlich hätten sie zufrieden ihre Zeitung lesen und Tauben beobachten können. Stattdessen standen zwischen Kaffeetassen und Butterbrezeln nun Tablets, Smartphones und manchmal sogar ein kleiner Laptop auf dem Tisch.

„Schau“, sagte Ernst eines Morgens stolz und hielt Hilde sein Handy hin. „Ich habe gelernt, wie man ein Video schneidet.“

Auf dem Bildschirm lief ein verwackelter Film vom Wochenmarkt. Man sah Tomaten, einen Hund und am Ende versehentlich Ernsts eigenes Ohr.

Hilde nickte ernst.
„Avantgardistisch.“

Ernst grinste. „Meine Enkelin hat gesagt, das nennt man Content.“

Seit einigen Monaten besuchten die beiden gemeinsam einen Kurs im Haus der Begegnung. Der Kurs hieß „Digitale Welten für Senioren“, doch die Teilnehmer nannten ihn nur noch „Überlebenstraining“. Dort lernten sie alles: Videotelefonie, Onlinebanking, Passwortregeln und warum man niemals auf blinkende Gewinnspiele klicken sollte.

Hilde war besonders begeistert von sozialen Medien. Anfangs hatte sie gedacht, man schreibe dort nur belanglose Dinge wie „Ich esse gerade Suppe“. Doch dann entdeckte sie Fotogruppen aus Ulm, historische Seiten und Menschen, die alte Geschichten über die Stadt teilten.

Eines Abends zeigte sie Ernst begeistert einen Beitrag.
„Sieh mal! Da hat jemand ein Bild vom Münster aus dem Jahr 1963 hochgeladen. Genau da stand früher das Schreibwarengeschäft meiner Tante.“

Ernst betrachtete das Foto lange.
„Komisch“, sagte er leise. „Man denkt immer, Erinnerungen verschwinden. Aber jetzt tauchen sie plötzlich wieder auf.“

Von da an begannen sie selbst, Dinge hochzuladen. Alte Fotos. Kleine Geschichten. Erinnerungen an Straßenbahnen, Schneewinter und den Geruch der Donau im Frühling.

Zu ihrer Überraschung lasen viele Menschen mit.

Junge Leute kommentierten:
„Wie war Ulm früher?“
„Mehr davon bitte!“
„Meine Oma kennt die Straße auch!“

Hilde antwortete auf jeden Kommentar sorgfältig, als würde sie Briefe schreiben.

Eines Tages hatte Ernst eine neue Idee.
„Wir machen einen Kanal.“

„Einen was?“

„Na, einen Videokanal. Über Ulm früher und heute.“

Hilde lachte so laut, dass sich zwei Studenten am Nebentisch umdrehten.
„Ernst, wir sind dreiundsiebzig und fünfundsiebzig.“

„Na und? Die jungen Leute nennen das authentisch.“

Also begannen sie tatsächlich damit. Jeden Donnerstag filmten sie kurze Videos: über das Fischerviertel, alte Kinogebäude oder darüber, wie man früher am Donauufer spazieren ging. Ernst lernte schneiden, Hilde schrieb kleine Texte dazu.

Die ersten Videos hatten nur wenige Aufrufe. Dann plötzlich explodierte eines davon. Darin erklärte Hilde empört, warum früher „alles bessere Brezeln hatte“. Hunderttausende Menschen sahen es.

„Du bist viral“, sagte Ernst ehrfürchtig.

„Das klingt ungesund“, antwortete Hilde.

Ein paar Wochen später wurden die beiden sogar von einer Schulklasse eingeladen. Die Jugendlichen wollten wissen, wie sich die Stadt verändert hatte.

Hilde war nervös.
„Was, wenn die uns langweilig finden?“

Doch als sie erzählten, hörten alle aufmerksam zu. Ernst zeigte alte Fotos auf dem Beamer, Hilde sprach über Briefe, die früher Wochen unterwegs gewesen waren.

Ein Junge in der letzten Reihe hob die Hand.
„Irgendwie cool“, sagte er. „Dass ihr euch trotzdem noch auf Neues einlasst.“

Nach dem Besuch gingen Hilde und Ernst schweigend über den Münsterplatz. Die Abendsonne lag golden auf den Häusern.

„Weißt du“, sagte Ernst schließlich, „früher dachte ich, neue Medien seien nur etwas für Junge.“

Hilde nickte langsam.
„Vielleicht geht es gar nicht um jung oder alt.“

„Sondern?“

Sie lächelte.
„Darum, neugierig zu bleiben.“

(Erstellt mit ChatGPT, Mai 2026)