Die Waffen nieder! – Bertha von Suttner (1843-1914) – Friedensnobelpreis 1905

„Die Waffen nieder! Sagts vielen – Vielen!“ sind die letzten Worte der Pazifistin, Friedensforscherin und –aktivistin, Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Wenige Wochen nach ihrem Tod 1914, bricht der Erste Weltkrieg aus, vor dem sie immer gewarnt hatte.
„Rache und immer wieder Rache! Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden.“
Ein Zitat aus ihrem Antikriegs-Roman „Die Waffen nieder! eine Lebensgeschichte“, der 1889 erscheint, großes Aufsehen erregt und Bertha von Suttner zu einer der bekanntesten Vertreter*innen der Friedensbewegung macht.
Geboren wird sie 1843 in Prag, in eine adelige Familie von Militärs und wächst im aristokratischen Umfeld der österreichisch-ungarischen k.u.k. Monarchie auf. Den Vater lernt sie nie kennen, er stirbt noch vor ihrer Geburt. Sie studiert verschiedene Sprachen und Musik, liebt das Reisen. Die Mutter bringt das schmale Erbe am Roulettetisch durch und so geht die 30jährige Bertha als Gouvernante in die Industriellenfamilie des Freiherrn von Suttner. Dort verliebt sie sich in den 7 Jahre jüngeren Sohn Arthur. Diese Liebe wird von den Suttners nicht gern gesehen, Bertha muss das Haus verlassen, geht auf Vermittlung Suttners nach Paris als Privatsekretärin von Alfred Nobel. Nur für kurze Zeit, denn Nobel kehrt bald darauf nach Schweden zurück. Aber sie bleiben ein Leben lang in Freundschaft verbunden und sein Testament zeugt davon, dass Bertha von Suttner die geistige Mutter des Friedensnobelpreises ist.
Als Alfred Nobel 1896 stirbt, stiftet er einen Preis „für denjenigen oder diejenige, welcher oder welche am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt hat.“ Bereits bei der Abfassung seines Testaments hat er also an Bertha von Suttner als Preisträgerin gedacht.

Bertha kehrt also kurze Zeit später nach Wien zurück und Arthur und sie heiraten heimlich. Mit Folgen: der Sohn wird enterbt, die beiden gehen nach Georgien, wo sie 1877 den russisch-türkischen Krieg miterleben. Um sich den Lebensunterhalt zu finanzieren, schreibt Bertha von Suttner unter männlichem Pseudonym gesellschaftskritische Essays, Kurzgeschichten und Fortsetzungsromane. 1885 kehrt das Paar nach Wien zurück und söhnt sich mit der Familie von Suttner aus.
Mit ihrem pazifistischen Roman „Die Waffen nieder!“, der in 37 Auflagen erscheint und in 16 Sprachen übersetzt wird, gelingt ihr der Sprung von der Schriftstellerin zur Friedensaktivistin. Von nun an wird sie auch politisch aktiv, reist zu Kongressen, hält Vorträge, gibt Zeitschriften heraus und gründet Friedensgesellschaften. Außer für den Frieden setzt sie sich für die Rechte von Frauen und mit ihrem Mann gegen den weit verbreiteten Antisemitismus ein. 1899 nimmt sie als einzige Frau und Nicht-Regierungsvertreterin an der 1. Haager Friedenskonferenz in Den Haag teil und reist in den folgenden Jahren für Vorträge durch Europa und Nordamerika.

Die bekannte Pazifistin und „Symbolfigur der europäischen Friedensbewegung“ bleibt nicht unumstritten, politische Gegner nennen sie „Rote Bertha“ oder „Friedensbestie“. Auch das konservative Österreich reagiert verhalten auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an Bertha von Suttner. 1905, erst in der fünften Runde der Verleihung, erhält sie als erste Frau den Friedensnobelpreis. Der verleiht ihren Worten und Visionen von nun an mehr Gewicht.
Bis zu ihrem Tod im Juni 1914, bleibt Bertha von Suttner eine überzeugte Pazifistin und Gegnerin von Krieg und Aufrüstung, von Kriegsgräueln, die sie in ihrem Roman „Die Waffen nieder!“ so eindrücklich geschildert hat. Bereits 1908 warnt sie vor Massenvernichtungswaffen und der Gefahr eines internationalen Vernichtungskrieges:
„Wir sind im Besitze von so gewaltigen Vernichtungskräften, dass jeder von zwei Gegnern geführte Kampf nur Doppelselbstmord wäre. Wenn man mit einem Druck auf einen Knopf, auf jede beliebige Distanz hin, jede beliebige Menschen- oder Häusermasse pulverisieren kann, so weiß ich nicht, nach welchen taktischen und strategischen Regeln man mit solchen Mitteln noch ein Völkerduell austragen könnte.“
Bertha von Suttner: Der Frieden in 100 Jahren (1908)
Eine weitsichtige Analyse, die noch heute ihre Gültigkeit hat.
Autorin: Andrea Brendel, Mai 2026
Quellen:
https://www.frauennetzwerk-fuer-frieden.de/themen/bertha-von-suttner.html
https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/bertha-von-suttner/
https://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_von_Suttner
Bilder:
Bertha von Suttner, 1906. By Carl Pietzner – Stadtchronik Wien, Verlag Christian Brandstädter, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=710118
Bertha von Suttner, 1911. By Unknown author – ETH-Bibliothek Zürich, E-Periodica, Die Schweiz: schweizerische illustrierte Zeitschrift, Band 18 (1914), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86613126
Bertha von Suttner, 1907. By Unknown author – http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/1905/suttner.html, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18355682
