Gertrude Belle Elion (1918 – 1999) – Nobelpreisträgerin in Medizin/Physiologie 1988

„I think perhaps it was my mother who influenced me the most. She was a housewife. She had no higher education, but had the most common sense of anyone I knew, and she wanted me to have a career.“
Gertrude wuchs in New York City auf. Ihr Vater war mit zwölf Jahren aus Litauen, ihre Mutter mit vierzehn Jahren aus Polen eingewandert. Der Vater wurde Dentist und eröffnete eine Praxis in Manhattan, später in der Bronx.
Als ihr geliebter Großvater 1933 auf sehr schmerzhafte Weise an Krebs starb, fasste die Fünfzehnjährige den Entschluss Chemikerin zu werden. Sie wollte eine Behandlung gegen Krebserkrankungen entwickeln.
„I was highly motivated to do something that might eventuelly lead to a cure for this terrible desease.“
Als eine sehr gute und allseits interessierte Schülerin, konnte sie mit zwölf Jahren zwei Schuljahre überspringen und beendete 1937 ihr Chemiestudium am Hunter College in New York mit dem Bachelorexamen. Bis 1939 war sie die erste und einzige Studentin im Fach Chemie an diesem College.
„In my day I was told women didn’t go into chemistry. I saw no reason why we couldn’t“
Als Frau wurde sie trotz dieses Abschlusses aber nicht ernst genommen und bekam damit keinen Job in der Chemiebranche. Eine Fortsetzung des Studiums konnte sich ihre Familie nicht leisten. Deshalb besuchte sie eine Sekretärinnen Fachschule und unterrichtete in der Folge Chemie und Physik an einer Highschool. Später setzte sie ihr Chemiestudium an der New York University fort und schloss es 1941 mit dem Masterdiplom ab.

Mit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den zweiten Weltkrieg gab es weniger männliche Konkurrenz und Gertrude (Trudy) bekam die Chance als Chemikerin bei Burroughs Wellcome (später GlaxoSmithKline GSK) zu arbeiten. 1944 wurde sie als Biochemikerin bei George Hitchings eingestellt. George Hitchings versuchte Antagonisten für die Nukleinsäure Synthese zu entwickeln. Elion erkannte die Bedeutung dieser Forschung zur Bekämpfung vieler Krankheiten und stürzte sich in die Arbeit. Mit der gezielten Entwicklung von Substanzen, die die Bildung von Nukleinsäuren (DNA) verhindern, kann man das Wachstum von Zellen, besonders von schnell wachsenden Tumorzellen verhindern. Ohne DNA können Zellen nicht wachsen. Hitchings und Elion erkannten, dass Purine und Folsäure das Wachstum von Hefenzellen förderten und sie entwickelten nun Stoffe, die das verhindern. Besonders mit der Substanz 6-Mercaptopurin gelang der Durchbruch: Hiermit konnte erstmals die akute lymphatische Leukämie (ALL) bei Kindern behandelt werden. Mit ihren neuen Methoden gelang es dem Forscherteam diese Medikamente weiterzuentwickeln und viele neue sehr wirksame Medikamente auf den Markt zu bringen: Pyrimethamin gegen Malaria, Trimethoprim gegen bakterielle Infektionen, Azathioprin zur Immunsuppression bei Transplantationen, Allopurinol gegen Gicht, Acyclovir (mit Howard Schaeffer) gegen Herpes simplex und Zidovudin gegen AIDS.
Insgesamt erwarb Elion 45 Patente.

Zusammen mit George Hitchings und James W. Black, erhielt Gertrude Belle Elion für ihr Lebenswerk 1988 den Nobelpreis in Medizin oder Physiologie! Dieser Preis wurde ihnen verliehen, weil sie Wege aufgezeigt hatten, wie man gezielt in die Biochemie des Zellstoffwechsels eingreifen kann. Mit ihren neuen Methoden gelang es, den Stoffwechsel in eine gewünschte Richtung zu lenken, um damit Erkrankungen entgegenzuwirken und sie so zu behandeln.
Aber nicht der Preis war ihr wichtig, viel mehr freute sie sich darüber, so vielen Menschen mit den von ihnen entwickelten Medikamenten geholfen zu haben. Dafür war sie 39 Jahre im selben Unternehmen tätig, ab 1967 als Leiterin des Departments für experimentelle Therapie. Daneben liebte sie es, Studenten in die Forschungsarbeit einzuweisen und sie zu unterrichten. Wobei sie sich besonders für die Förderung von Frauen und Mädchen einsetzte.
Die Arbeit von Gertrude B. Elion wurde vielfach geehrt und mit vielen Preisen gewürdigt, darunter die Aufnahme in die National Investors Hall of Fame (1991)
Die von ihr entwickelten Medikamente werden heute, Jahrzehnte nach ihrer Erfindung, noch immer verwendet. Mit ihrem Forschungsansatz hat sie die Entwicklung von Biochemie und Pharmazie maßgeblich beeinflusst.
„What we were aiming at was getting people well, and the satisfaction oft that is much greater than any prize you can get.“
Sie entwickelte folgende Medikamente:
1948 Diaminopurin (Zytostatikum)
1950 Tioguanin (Zytostatikum)
1950 Pyrimethamin, ein Diaminopyrimidin (Malaria)
1950 6-Mercaptopurin (Leukämiebehandlung)
1956 Trimethoprim (bakterielle Infektionen)
1957 Azathioprin (immunsuppressiv bei Organtransplantationen)
1963 Allopurinol (Harnsäure reduzierend bei Gicht)
1977 Azyclovir (antiviral bei Herpes simplex) mit Howard Schaeffer
1985 Zidovudin (antiviral gegen AIDS) eine Weiterentwicklung
Insgesamt 45 Patente.
Autorin: Erla Spatz-Zöllner, Mai 2026
Quellen:
https: www.nationalacademies.org/read/9977/chapter/3#22
https://www.nobelprize.org/stories/women-who-changed-sience/gertrude-elion
https://de.wikipedia.org>wiki>Gertrude_Belle_Elion
https://www.fembio.org>biographie.php>frau>biographie>gertrude-b.-elion
Bilder:
Gertrude Elion und George Hitchings, 1948. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:George_Hitchings_and_Gertrude_Elion_1948.jpg. GlaxoSmithKline plc, CC BY 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by/4.0, via Wikimedia Commons
George Hitchings und Gertrude Elion, 1988.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:George_Hitchings_and_Gertrude_Elion_1988.jpg. [1], CC BY 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by/4.0, via Wikimedia Commons
Gertrude Elion, 1983. GlaxoSmithKline plc, CC BY 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by/4.0, via Wikimedia Commons. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gertrude_Elion2.jpg
